Vom Neckar in die weite Welt – unser Kollege im Auslandseinsatz

Keine Herausforderung ist ihm zu groß, kein Land zu weit weg, kein Dienst zu viel: PHK Joachim Bahndorf aus Seckach im Odenwald ist zurzeit Teil der EUMM Georgia-Mission der Europäischen Union in Georgien. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihm und seinen Kollegen erst kürzlich einen Besuch abgestattet.
„Ein Beruf kostet viel Lebenszeit, daher finde ich, sollte er einen auch erfüllen. Also ich kann mir jedenfalls nichts Schöneres und Abwechslungsreicheres vorstellen als Polizist im Auslandseinsatz“, schwärmt Joachim Bahndorf, genannt Barney, entlehnt aus einer bekannten Zeichentrickserie.

1980 hatte er seine ersten Schritte bei der Bereitschaftspolizei in Bruchsal geleistet. Nach mehreren Stationen bei der PD Heidelberg und dem Polizeirevier Neckargemünd ging er 2009 zum ersten Mal ins Ausland, und zwar in den Kosovo. „Es fasziniert mich bei jedem Auslandseinsatz immer wieder, wie beliebt und angesehen deutsche Polizeibeamte bei der jeweiligen Bevölkerung und den internationalen Kollegen sind“, stellt Barney fest. Viele Menschen sagten ihm, dass sie sich wünschten, dass sich in ihrem Land alles so entwickeln werde, wie es in Deutschland ist. Das bedeute aus polizeilicher Sicht aber noch viel Arbeit, betont der 59-Jährige, der eigentlich beim Revier Eberbach ist.

Die größte Herausforderung liegt seiner Meinung nach in der Ausbildung der ausländischen Kollegen. „Der jeweilige Ausbildungsstand liegt doch weit hinter dem deutschen Standard, wenngleich die Kollegen sehr interessiert, lernbereit und für jede Beratung sehr dankbar sind. Schließlich sind die Schutzleute in anderen politischen Systemen aufgewachsen. Hinzu kommt die Sprachbarriere“, erklärt Barney. Doch sie könne überwunden werden, letztlich arbeite er bei seinen Einsätzen auch intensiv mit Kollegen aus anderen EU-Ländern zusammen. Amtssprache ist übrigens Englisch und die Kommunikation mit den „Locals“ erfolgt über Dolmetscher in der Landessprache.

„Die internationale Gemeinschaft ist fantastisch; einhergehend mit überdurchschnittlicher Teamgeist Wir alle, die internationale Gemeinschaft unterschiedlichster Nationen, bestehend aus Militär und Polizei essen abends zusammen und verbringen auch sonst die knappe, aber dennoch vorhandene Freizeit miteinander. Jeder bringt seine Prägung und Erfahrung aus seinem Heimatland mit, was unglaublich bereichernd ist. Sowohl im dienstlichen als auch im privaten Bereich. Und man lernt auch über den „Tellerrand“ hinaus zu schauen.

Natürlich gehört auch etwas Wehmut zu jedem Einsatz. „Gerade wenn man mit den Lieben zu Hause skypt, kann man schon mal Heimweh bekommen, das ist doch klar“, gibt Barney zu. Aber in der Anfangsphase sei jeder Polizist sehr eingebunden in verschiedene Trainings und Seminare, das lenke ab. Auch Ausrüstung und Ausstattung seien sehr gut. Im Gegensatz zur Bevölkerung, die doch in großer Armut lebe. Gerade die Landbevölkerung kämpfe jeden Tag ums Überleben und sei dennoch ungeheuer großzügig und gastfreundlich.

Gerade in Georgien gibt es laut Barney fantastische Freizeitmöglichkeiten, um vom Dienst ausspannen zu können: Auf der einen Seite das Schwarze Meer, auf der anderen Seite der Kaukasus mit Bergen bis über 5000 Meter Höhe, schwärmt der passionierte Bergsteiger. Die Planung zur Besteigung des 5133 Meter hohen Kasbeki sei bereits abgeschlossen und wird im Juni nächsten Jahres umgesetzt. „Da entstehen richtige Freundschaften über Nationengrenzen hinweg“, freut sich der verheiratete Vater zweier erwachsener Töchter. Ja, was sagt eigentlich die Familie zu den Einsätzen?

„Meine Frau hat ja wie ich auch eine Mission. Sie muss über lange Zeit daheim alles alleine managen. Dazu gehört großes gegenseitiges Vertrauen. Sie stand und steht immer hinter mir, das ist fantastisch“, sagt Barney. Auch er habe durchaus Sicherheitsbedenken gehabt, aber die verschiedenen Vorbereitungstrainings bei der Bundeswehr, Bundespolizei und verschiedenen Landespolizeieinrichtungen wo, verschiedenste Szenarien trainiert, immer wieder durchgespielt und abgeprüft worden seien, hätten ihn in seinem Beschluss gestärkt und ihm im Auslandeinsatz auch mehrmals geholfen. Bis heute hat er es nicht bereut: „Es war die richtige Entscheidung. Man hat schon das Gefühl, dass man einen Teil zur Stabilisierung, zum Aufbau und zur Weiterentwicklung eines Landes, aber auch der weltweiten Sicherheit beitragen kann und konnte. Das gibt einem schon eine gewisse Zufriedenheit und macht stolz. Wenngleich man sich bewusst sein muss, dass ein 10-Jahreszeitraum nur einen kleinen Teil der benötigten Aufbauzeitschiene darstellt.

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